Energiewende – ein Verein denkt um

Unter den steigenden Energiekosten leiden nicht nur private Haushalte, sondern auch kleine gemeinnützige Vereine wie der HSV Pfote Drauf! Stagnierende Mitgliederzahlen, pandemiebedingte Einschränkungen der letzten Jahre sowie gestiegene Material-, Strom- und Gaspreise fraßen die finanziellen Rücklagen des Vereins nun gänzlich auf. Ein Zustand, der nicht nur Kassenwart Thomas Berg inzwischen schlaflose Nächte bereitet. Bereits während der letzten Mitgliederversammlung wurde über eine notwendige Erhöhung der Mitgliedsbeiträge heiß diskutiert.
Der Vorstand prüfte daher eingehend diverse Optionen, den Verein auch für die Zukunft sicher aufzustellen, schließlich wolle man im Hoyerswerdaer Vereinsleben eine feste Größe bleiben. Alle Möglichkeiten zur Energieeinsparung wie bspw. die Umstellung der Platzbeleuchtung auf energiesparende LEDs, Verlegung der Trainingszeiten auf die hellen Tagesstunden und Reduktion der Technik zu Turnieren wurden bereits ausgeschöpft. Auch die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Vereinsheims wurde in Betracht gezogen, ist aber in der Anschaffung schlichtweg zu teuer. Vereinsvorsitzender Axel Görner erklärt, dass “eine Photovoltaik nur in Kombination mit einem ausreichend großen Speicher Sinn ergebe, denn als Verein habe man keinen kontinuierlichen Strombedarf, sondern einen Spitzenverbrauch zu den abendlichen Trainingszeiten und an Veranstaltungstagen”, dazwischen sei Leerlauf. Die Anschaffung einer solchen Anlage sei allein nicht finanzierbar. Staatliche Förderungen, die es beispielsweise für den privaten Wohnungsbausektor gäbe, würden Vereine nicht einschließen. Axel Görners Versuche, über seine zahlreichen Kontakte in diverse Gremien eine Lösung zu finden, blieb jedoch erfolglos.
“Wir müssen umdenken” sagt Axel nun und erläutert weiter: “wenn uns niemand hilft, müssen wir uns selbst helfen”. Das klingt nach Aufbruchstimmung und so wird das Konzept aussehen:
In Kürze werden 2 Laufbänder angeschafft und im Obergeschoss des Vereinsheims direkt vor den breiten Fensterfront mit Blick auf das Trainingsgelände aufgestellt. Die Leistung bei der Nutzung eines solchen Laufbandes wird durch einen eingebauten Inverter in Strom umgewandelt, der wiederum in einen angeschlossenen Speicher eingespeist wird. Die Anschaffungskosten würden mit privaten Eigenmitteln zu stemmen und vergleichsweise überschaubar sein, “der Ertrag jedoch bei entsprechender Mitarbeit der Mitglieder aber sehr hoch” so Axel Görner weiter. Ein Speicher sei aus den genannten Gründen eben zwingend notwendig.
Um Speicherstrom zu generieren sind jetzt alle Mitglieder und deren Hunde aufgefordert zu laufen, aber nicht mehr in gewohnter Weise durch den Wald, über Wiesen oder Felder, sondern auf dem heimischen Vereinsplatz. Es muss nicht zwingend schnell gelaufen oder sogar gerannt werden, auch Gehen ist für Hund und Halter möglich, denn jeder Schritt zählt. Letztlich zählt die erbrachte Gesamtleistung von Mensch und Hund und die wird in Zukunft für jedes Mitglied digital erfasst. Dies wird über ein Chipkartensystem funktionieren, dass in Zukunft installiert wird.
Wer jetzt das Bild eines Hamsterrades vor seinem geistigen Auge sieht, der sei beruhigt. Unsere Laufbänder sind modern, trittschallgedämpft, arbeiten leise und effizient und über einen Monitor können Landschaften und Strecken gewählt, die während des Laufens angeschaut werden können 🖥
– falls es dunkel oder der Blick auf die trainierenden Mitmenschen zu langweilig erscheint. Auch eine Musikanlage ist installiert, bei mitlaufenden Hunden sei aber sehr auf eine gedämpft Lautstärke zu achten. Auch das Geschäft der Hunde sei bitte vor Betreten des Vereinsheims zu erledigen.
In Zukunft wird von den Mitgliedern nicht nur die Ableistung von Arbeits- sondern auch von Trainings”stunden” erwartet. Eine Befreiung wegen Alter und Krankheit ist nur in Ausnahmefällen vorgesehen, schließlich müssten Hundebesitzer sonst auch mit ihren Hunden raus und diese notwendige Bewegung könne man genauso gut auf dem Platz umsetzen, nur eben effizienter. Trainer und Übungsleiter sind aufgefordert ihre Stunden ebenfalls für die Energiegewinnung zu nutzen, da man von dem Laufbereich einen guten Überblick über den Platz und damit auch über seine Schützlinge habe.
Der Vorstand bezeichnet dies als “win-win-Situation”, denn man könne die Vorteile von Bewegung und damit die positiven Auswirkungen auf die eigene und die Hundegesundheit mit der Arbeit für den Verein perfekt kombinieren.
✒ Aktuell erarbeitet der Vorstand ein Konzept über die jährlich geforderten Mindestleistungen pro Mitglied. Auch ein Bonussystem für “Vielläufer” soll implementiert werden. Beschlüsse werden jedoch erst zur Mitgliederversammlung Anfang nächstes Jahres gefasst. Bis dahin gilt eine Übergangsregelung. Die ist auch notwendig, da sich Mensch und besonders Hund erst an die Anlage gewöhnen und mit ihr “warm” werden müssen. Die Trainer sind aufgefordert schon jetzt in ihren Trainingsstunden die positive Verstärkung der Geräte mit einfließen zu lassen.
Der Verein lebt eben nur vom Engagement seiner Mitglieder.
(Text: CoUn)